Das Palmöl-Problem Nr. 2: Interview mit Tunku

Palmöl ist eines der nützlichsten und hilfreichsten Öle. Sein Anbau ist einfach, verbucht wenig Energie und liefert uns ein sehr vielseitiges, nachwachsendes und natürliches Öl. Es kann als gute Alternative zum Erdöl dienen, es ist essbar und durch die Vielzahl an Eigenschaften überall einsetzbar.

Fordern nicht immer alle, dass wir eine biologische Alternative zum Erdöl brauchen? Voilà, hier ist sie und sie kann doch nicht schlecht sein — oder? Doch, das ist es! Aber warum? Um Genaueres zu erfahren, habe ich mich mithilfe der Dokumentation Asimetris auf die Reise in die Tropen Indonesiens und Malaysias begeben. Außerdem erfährst Du in einem fiktiven Interview mit einem Bauern aus Sumatra, wie die Ansiedlung der Ölpalme sein Leben einschneidend verändert hat.

Die Menschheit braucht 66 Millionen Tonnen Palmöl, das auf 27 Millionen Hektar Land angebaut wird. Die Fläche entspricht dem Gebiet Neuseelands. Gigantisch! Damit ist die Palme die am meist angebaute Nutzpflanze der Welt, sogar noch vor Soja. Kein Wunder, bei der Effizienz. Deutschland importiert 1,4 Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr. Das Öl wird größtenteils als Beisatz zu unserem Benzin gebraucht. In der EU ist eine Beimischung von 5 % Biosprit verpflichtend, 10 % sind aber zielgesetzt, ebenso wie die Verwendung des Öls für Flugzeuge. Aus diesem Grund dienen 51 %, also 4 Millionen Tonnen des Palmöl-Imports der Produktion von Benzin und 10 % unserer Energieproduktion. In Indonesien besteht das Benzin sogar zu 30 % aus Palmöl. Nur 35 % braucht die EU für Nahrungsmittel und Haushaltswaren wie Waschmittel. Mehr als die Hälfte wird also verbrannt.

Ein Interview mit Tunku

Achtung: Dieses Interview ist nur fiktiv und hat nie stattgefunden, aber es könnte theoretisch in der Art mit einem informierten Gegner der Palmölplantagen geführt worden sein.

Tunku, wie geht es Dir?

Mir geht es nicht gut, gesundheitlich vor allem. Ich habe wie meine Kinder Atembeschwerden, seitdem im Jahr 2015 dichter Qualm das Land über 4 Monate unter eine dunkle Glocke hüllte.

Was war los?

Brandrodungen haben unser Land zerstört. Auf unserer Insel Sumatra haben die Wälder gebrannt, weil Menschen die Bäume angezündet haben. Dadurch standen die Torfmoore in Flammen und haben giftige Rauchgase ausgestoßen, wie ein Drache, nur, dass es Menschen waren, die das verursacht haben. Aus dem Fernseher weiß ich, dass 2500 Orte akut betroffen waren, nicht nur hier, sondern auch auf Borneo und Papua. Für die Hälfte der Brände war die Palmölindustrie verantwortlich, so dass insgesamt 2,6 Millionen Hektar Regenwald für immer vernichtet wurden, ein Gebiet so groß wie Belgien. Brandrodung kostet nichts, ist aber nicht nachhaltig.

Wie geht es den Menschen damit?

Nun ja, die Schadstoffe der Feuer lagen 3000 % mal höher, als die Grenzwerte es vorgeben. Wir hatten leider 9000 Tote durch Rauchvergiftung zu beklagen; und unsere Babys haben Gehirnschäden. Ich selber habe eine geistig behinderte Tochter, verursacht durch das Gift in den Gewässern und in der Luft. Die Palmölindustrie leitet die giftigen Abwässer in unsere schönen Flüsse.

Tunku, Du bist sehr gut informiert. Was machst Du beruflich?

Meine Familie baute seit Generationen Reis an. Aber uns gehörte auch ein großes Stück Wald, welches aber Sitz der Götter ist und nicht angetastet werden darf. Aber ich konnte meine Familie mit Reis kaum noch ernähren, deswegen musste ich Palmöl anbauen, obwohl ich das gar nicht wollte. Die wirtschaftliche Lage hat mich leider dazu gezwungen. Seit kurzem bin ich aber Aktivist gegen die Palmölindustrie, sie vernichtet unser Land. Dadurch habe ich mir viele Feinde gemacht, aber ich kämpfe weiter und möchte informieren, damit die Welt nicht nur die Vorteile und den Profit sieht.

Inwiefern wurdest Du gezwungen, Palmöl anzubauen?

Die Industrie hat den Druck auf uns enorm erhöht, denn die weltweite Nachfrage steigt. Überall ist dieses Öl drin. Dadurch wird inzwischen in Indonesien so viel Palmöl angebaut, dass die Schweiz drei mal in dieses Gebiet passen würde. Wirtschaftlich lohnt sich der Anbau anderer, nachhaltigerer Pflanzen noch weniger als der Palmölanbau.

Palmöl scheint sich ja dann doch zu lohnen!

Ja. Die Banken weltweit investieren jährlich 17 Milliarden Euro. Pro Jahr werden 66 Millionen Tonnen Palmöl auf 27 Millionen Hektar, eine Fläche so groß wie Neuseeland, produziert. Damit ist Palmöl noch vor Soja die meist angebauteste Pflanze der Welt. Leider ist ein Zusatz von Palmöl zu 5 % in Benzin verpflichtend, aber 10 % wird subventioniert. Und in Indonesien besteht Benzin sogar zu 30 % aus Palmöl, weil alle denken, das sei ein nachwachsender Rohstoff und damit unbegrenzt verfügbar. Aber das stimmt nicht, der Regenwald, der dafür weichen muss, ist begrenzt und kommt nie wieder. Leider importiert ihr Deutschen 14 Millionen Tonnen pro Jahr von dem Öl, wobei 35 % für Haushaltsartikel verbraucht werden, 51 % für Benzin und 10 % fließt in die Energieproduktion.

Aber es macht das Land reich?

Nein, nur die Konzerne und deren Chefs. Die Hälfte der reichsten Männer in Indonesien sind im Palmölgeschäft tätig. Die meisten Männer davon sind auch in der Tabakindustrie tätig. Zudem gehören ihnen die Medien, weshalb hier nur positiv über dieses Zeug berichtet wird.

Und was ist mit den Bauern?

Wir Palmölbauer bekommen höchstens 10 % des Gewinns, obwohl uns als Besitzer der Plantagen eigentlich 50 % zustünden. Und die meisten Angestellten auf den Plantagen bekommen noch weniger. Es sind Tagelöhner, die nicht mal Tarifverträge haben. Und sie verdienen zwischen 1,50 € bis 7 € am Tag. Wenn sie nicht genug Früchte ernten, wird ihnen der Lohn gekürzt. Außerdem düngen sie die Bäume und nähten Unkraut. Wird ihr Soll nicht erfüllt, gehts ihnen schlecht.

Auch Kinder müssen schon mit ihren Familien auf den Plantagen arbeiten. Dabei wird dort das Herbizid Paraquad gespritzt. Ein starkes Gift, das die RSPO, Roundtable on Subsainable Palmoil, verboten hat. Aber das ist den Konzernen egal.

Ich war, wie schon gesagt, einer der Verwalter einer Plantage, obwohl mir das Land gehörte. Aber ich wollte mehr Geld für meine Mitarbeiterin. Daraufhin kamen Männer mit Waffen. Sie hatten einen gefälschten Kaufvertrag mit meiner Unterschrift, obwohl ich nie unterschrieben habe. Aber gegen die Waffen konnte ich nichts machen.

Passieren diese Machenschaften oft?

Leider ja. Deswegen wird die Bevölkerung immer unzufriedener. Manche versuchen sich zu wehren. Das führt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Und keiner, der Einfluss hat, tut etwas dagegen?

Doch, allmählich bewegt sich was. Die EU merkt, dass Palmöl nicht fair ist. Immer mehr Menschen kaufen bewusst Lebensmittel ohne Palmöl. Deshalb möchte die EU nur noch Palmöl importieren, das nachweisbar nachhaltig ist und weder die Umwelt vernichtet noch die Menschen dort ausraubt. Deshalb wurde ein Tisch für nachhaltiges Palmöl gegründet, den RSPO.

Und das hilft?

Mal sehen, ob das Wirkung zeigt. Aber dieser Runde Tisch ist kein Ökolabel, auch wenn der WWF dahinter steckt. Er basiert auf Freiwilligkeit. 19 % des produzierten Palmöls entsteht unter dem RSPO. Das Problem ist aber, dass die Früchte nach der Ernte innerhalb eines Tages verarbeitet werden müssen. Anschließend kauft ein Zwischenhändler die Früchte, und der mischt alle zusammen. Keiner kann noch kontrollieren, welche Früchte nachhaltig sind und welche nicht. Aber vielleicht ist das ein Anfang.

Das sind ja wirklich keine guten Informationen. Aber ich hoffe, dass Du es schaffst, mehr Bewusstsein zu schaffen.

Danke, Tunku, für dieses Gespräch.

Erfahre mehr und noch mehr.

von Manuel Hartmann