Das Palmöl-Problem Nr. 1: Ein Wundermittel?

Bild von Ölpalmen von oben.

Morgens nach dem Aufstehen esse ich erst mal ein Brötchen mit Margarine und der Bio Erdnussbutter: Lecker. Anschließend dusche ich und nutze das günstige Shampoo, das meine Haare glänzend macht. Einige andere unter uns wenden sich nach dem Duschen noch der Kosmetik zu, cremen sich ein oder schminken sich. Zum Mittagessen gibt es bei mir, weil ich als Student weder Lust noch Zeit habe zu kochen, eine Tüte Instantnudeln. Schnell in den Kochtopf gekippt, heißes Wasser drüber, fertig. Als Nachtisch genieße ich eine Tafel Schokolade, nachmittags am Computer eben ein paar Chips. Anschließend wasche, putze ich und verschmause zu Abend eine Tiefkühlpizza. Für den Nachtisch hole ich ein cremiges Eis aus der Tiefkühltruhe, das auf der Zunge zerschmelzt.

Ein Gedanke tut sich auf

Doch Halt, war da nicht was? Ein Blick auf die Ingredienzien all dieser Dinge offenbart den Grund meines plötzlich auftretenden Zweifels. In allen, nicht gesundheitsfördernden Fressalien sowie benutzten Mitteln wird Palmöl verarbeitet. 

Doch warum ist in so vielen Konsumgütern überhaupt dieses Öl? Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Palmöl ist aber nicht gleich Palmöl. Das Öl der Palme, die zu 85 % in Indonesien und Malaysia angebaut wird, wird aus den Früchten raffiniert. Sein Schmelzpunkt liegt irgendwo zwischen Raum- und Körpertemperatur. Daneben wird eine weitere Ölart aus den Kernen gewonnen. Dazu werden die Kerne getrocknet, gemahlen und das Pulver anschließend gepresst. Das aus diesem Prozess gewonnene Fett schmilzt sogar bei noch etwas niedrigerer Temperatur. Durch dieses Charakteristika lassen sich hervorragende Anwendungsmöglichkeiten finden. Das Palmöl und das Kernöl, die ich einfachheitshalber jetzt als ein Fett zusammenfassen werde, da die Palme dieselbe ist, geben, beigemischt in Schokolade, ihre cremige, aber harte Zusammensetzung, so dass die Kakaomasse erst im Mund schmilzt. Bei Eiscreme ist es derselbe Effekt. Nach dem Schmelzvorgang im Mund hinterlässt das Palmöl eine angenehm kühlende Wirkung. Klingt lecker, ist es auch, denn kein anderes Öl hat diese Eigenschaft. Deswegen braucht es das Palmöl auch bei der Herstellung von Margarine, denn mit dem Öl bleibt der vegane Butterersatz streichbar weich, ohne flüssig zu werden und ohne die Küche zu versauen. Zudem nimmst Du mit nur einem Löffel Palmöl Deinen Tagesbedarf an ß-Carotin, Vitamin A und E auf. Deswegen ist es vor der industriellen Verarbeitung rot und klar, erst danach nimmt es eine trübe, hellere Färbung an. 

Palmöl, ein Wundermittel?

Aber Moment, denkst Du jetzt, zu viel Fett ist doch schädlich. Da Palmöl aber zu 80 % die ungesättigte Fettsäure Laurin enthält, ist auch hier ein gesundheitsfördernder Faktor vorhanden. Die im Öl enthaltenden Stoffe lassen sich perfekt zu Tensiden umfunktionieren, die in Waschmitteln gebraucht werden. Tenside lassen sich anders nur aus Erdöl herstellen, ein, wie wir wissen, nicht nachwachsender Rohstoff. Allerdings wird Palmöl nicht in der Inhaltsstoff-Liste von Waschmitteln geführt, weil es hier nicht deklarationspflichtig ist. Bei der Aluminiumproduktion findet das Palmöl übrigens auch seine Anwendung. 

Als nachwachsender Rohstoff scheint das Palmöl also ein wahres Wunderöl zu sein. Eignet es sich vielleicht sogar als Erdölersatz für Autos und kann die Energieprobleme unserer Zeit lösen, wenn es schon statt Erdöl für Waschmittel und Kosmetik verwendet wird? Ja, es kann! Zumindest ersteres. Die Palme lässt sich sehr gut anbauen und braucht nicht viel Energie. Sie braucht bei einer gleich großen Fläche wie Soja nur 1/6 an Energie, bei Raps ist der Energieverbrauch der Palme um 1/3 geringer. Zugleich hat das Öl ähnliche Eigenschaften beim Autofahren wie Erdöl, so dass es problemlos Diesel und Benzin beigemischt werden kann und Biosprit entsteht. Die Ökobilanz ist gut, denn das Öl setzt nur so viel CO2 frei, wie es auch aufgenommen hat. Anders als bei der Verbrennung von Erdöl, also ist Palmöl kein Klimakiller.

Die Büchse der Pandorra

Palmöl ist auf den ersten Blick nicht zu verteufeln, denn wir haben einige beeindruckende Vorteile gesehen, die kein anderes Öl mit sich bringt. Aber war es das schon? Nein, denn Palmöl ist ein Segen, aber noch mehr entwickelt es sich zum Fluch, und der Mensch hat mit seiner unersättlichen Gier die Büchse der Pandora geöffnet.

Sei dabei, wie wir die Büchse von innen betrachten, denn es ist noch nicht vorbei.

von Manuel Hartmann