Zoo-Kolumne: Der erste Tag im Allwetterzoo Münster

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Ich habe mich dazu entschieden, in eine Jahreskarte für den Allwetterzoo in Münster zu investieren. In der Corona-Zeit merkte ich, dass mir ziemlich langweilig wurde. In die Stadt mochte ich nicht gehen und die Umgebung hatte ich mit dem Fahrrad komplett abgeklappert. Da die Völkerwanderungen am Aasee zum einen verdächtig nach Seuchenherd aussahen und ich zum anderen mehr Ruhe wollte, brauchte ich eine Alternative zum wunderschönen Naherholungsgebiet der Münsteraner. Friedhöfe kamen in Frage, aber diese habe ich schon alle besucht und kenne dementsprechend sämtliche Toten des Münsterlandes, von Adalbert bis Zelda. 

Zoo „zoo oft du willst“

So keimte die Idee, etwas Neues zu probieren. Für den Preis von gerade mal 59 Euro für Schüler und Studenten ergab sich mir die Möglichkeit, ein Jahr so oft in den Zoo zu gehen, wie ich möchte. Aber Moment, da drängt sich doch ein Gedanke auf. Sind die Tiere nicht eingesperrt? In viel zu engen Gehegen, wider ihres natürlichen Habitats? Das stimmt, aber ich mag Tiere. Außerdem ist es wichtig für den Artenschutz, das Interesse dafür bei den breiten Bevölkerungsschichten zu wecken und zu fördern, denn nur so kann einer Indifferenz gegenüber der Natur vorgebeugt werden. Wo kann dies besser geschehen als im Zoo, wo klein und groß sich begeistert den Tieren widmen, sie beobachten und viel über ihr Verhalten in der Wildnis lernen können? Natürlich verhalten sich Tiere in Gefangenschaft anders, weil sie nicht die weiten Flächen haben, die sie brauchen, um Konflikten mit Artgenossen zu umgehen. Zudem wird ihnen im Zoo vorgegeben, mit wem sie zusammenzuleben haben. Wölfe beispielsweise haben im Zoo eine ganz andere Familienzusammensetzung und Struktur. Während im Zoo das stärkste Männchen zum Alpharüden aufsteigt, besteht in der Natur eine Art demokratischer Konsens, welches Pärchen die Gruppe mentorenhaft leitet, ohne in Tyrannei zu verfallen, wie es uns die Wölfe im Zoo aufgrund anderer Verhaltensweisen gerne weis machen wollen. Aber didaktisch aufbereitete und vielfältige Informationstafeln und Schaubilder bieten kurze und interessante Fakten zu den Lebensweisen aller Tiere.

Naturschutzprojekte in Münster

Ein weiterer Pluspunkt von Zoos ist, schenke ich ihrer Werbung Glauben, die Förderung von Nachhaltigkeitsprojekten für Fauna und Flora in der Welt. Der Zoo in Münster hat das Angkor Wat Tierschutzprojekt ins Leben gerufen, welches sich unter anderem für die Biodiversität durch die Zucht aussterbender Arten und die Artenschutzforschung einsetzt. Solche Projekte sind elementar und verdienen der Unterstützung, insbesondere weil sie vor Ort helfen, mit den Geldern des Zoos. Jeder Zoo hat solche Projekte und unterstützt weitere.

Der erste Tag im Zoo

Ich war also überzeugt und ließ mich auf das Projekt „Jahreskarte“ ein. Schon der erste Besuch beim Tiger ließ es mich nicht bereuen. Es wunderte mich, dass die größte Katze der Welt keinen Lagerkoller zu haben schien, wie dies in antiquierten Zoos üblicherweise zu beobachten ist. Statt stundenlang immer an derselben Wand auf und ab zu gehen wie ein psychotisches Tier, hatte er sich vor der Scheibe platziert und beobachtet entspannt die paar Besucher. Auch der Leopard faszinierte mich. Die persische Katze hatte sich in ihr Gehege zurückgezogen. Um sie anzulocken, kam mir eine Idee. Ich drehte dem Leoparden den Rücken zu. Wenige Sekunden später stand er hinter mir. Wollte er mich etwa fressen? Ich weiß es nicht, aber auf jeden Fall knurrte er mich an. Zum Glück waren wir, diesmal nicht wegen Corona, durch eine Scheibe getrennt. Die Geparden waren nicht ganz so quirlig. Sie liegen meist in der Sonne, dösen und sind wohl trotz des riesigen Geheges von 5000 qm nicht viel unterwegs. Auffällig bei ihrem Gehege ist die Abtrennung zu den Besuchern. Die Sicherheitsvorkehrungen beim Tiger und dem Leoparden erinnern an das Gehege der Velociraptoren im Jurassic Park, das Gepardengehege eher an einen Kuhweidezaun. Warum geht vom Geparden weniger Gefahr aus als vom Tiger? Diese Frage gilt es noch nachzugehen. Ein weiteres Lieblingstier sind die Nashörner. Sie scheinen sehr sozial und nicht gerne getrennt von den Artgenossen zu sein, denn sie beobachten sich gegenseitig, sollten sie mal in den einzelnen Gehegen separiert sein.

Ein voller Erfolg

Mein erster Tag im Zoo war also ein Erfolg, und es lohnt sich, die Sache weiter zu verfolgen. Es stellen sich einige Fragen, die recherchiert werden wollen. Was sind die Naturerhaltungsprojekte wert? Welche Bemängelung gibt es an den Gehegen und sollten Zoos deshalb überhaupt erhalten bleiben? Welche wirtschaftliche Politik verfolgen Zoos? Diese und weitere Fragen geistern mir nun im Kopf herum, aber nach meinem ersten Eindruck zeigt sich schon, dass es den meisten Tieren gut zu gehen scheint. Weitere Zoobesuche werden dies weiter erforschen müssen, aber ich habe ja jetzt ein ganzes Jahr Zeit für die Entdeckung der Wildnis.

von Manuel Hartmann